Rosenräucherung – Interview mit Gabriela Stark

Gabriela Stark hat eine beeindruckende Internetenzyklopädie über ätherische Öle und Räucherpflanzen aufgebaut. Neben ihrem Online-Shop betreut sie auch ein Forum und gibt ihr Wissen in Seminaren weiter. Wer Informationen zu Aromaölen und Räucherwerk sucht, findet bei ihr eine breite Palette an Themen zu Theorie und Praxis.

Frau Stark, Ihre Liebe gehört seit vielen Jahren den duftenden Pflanzen.
Sie sind Fachfrau für ätherische Öle und Räucherpflanzen. Wie fanden Sie zu dieser Berufung? 

Gabriela Stark (Copyright)Gabriela Stark: Düfte waren schon immer meine Leidenschaft. Ganz früher hat es mit den Parfums angefangen, dann wollte ich mehr wissen über die darin enthaltenen Pflanzen. Es war erst mal eine Enttäuschung festzustellen, dass die wundervollen Düfte in den Parfums ja nicht drin sind, sondern nur mit den Pflanzen für das Produkt geworben wird. Parfums bestehen ja nur aus „synthetischen Duftbausteinen“, während die Pflanzendüfte nicht nur heilsam für Körper, Geist und Seele sind, sondern auch ihre wundervolle Energie an uns spenden. Wie jeder interessierte Mensch, habe ich erst in der Literatur nach Infos über die Düfte gesucht. Gefunden habe ich viel Wissenswertes, ebenso viel Unsinn, das merkt man allerdings erst, wenn man anfängt die Dinge praktisch auszuprobieren und anschließend komplett andere Ergebnisse bekommt als in so mancher Literatur beschrieben. In meiner Ausbildung zur Aromakologin lernte ich dann auch, warum das so ist. Über die Arbeit mit den ätherischen Ölen kam ich dann zum Räuchern mit den Pflanzen. Ich schreibe seit vielen Jahren selbst über Düfte und Räucherpflanzen, auch über so manchen Duft, der sich nicht in der Literatur findet. Das geht natürlich nur über das Experimentieren und Ausprobieren, was man mit einem solchen Duft so alles anstellen kann.

Ich möchte Sie heute in Ihrer Eigenschaft als Räucher-Spezialistin ansprechen, denn Rosenblütenblätter eignen sich auch gut für Räucherungen, was vielleicht gar nicht so vielen bekannt ist wie die Verwendung des ätherischen Rosenöls. Duftet eine Rosenräucherung auch so, wie wir den lieblichen Duft der Rose kennen?

Gabriela Stark: Ja und Nein. Nein, weil handelsübliche Rosen nicht duften. Sie kennen das bestimmt auch. Sie gehen an einem Rosenstrauß vorüber oder einem Rosenbusch und da duftet einfach nichts. Nur von den duftenden Rosen lässt sich ein ätherisches Öl gewinnen und solche Rosen eignen sich auch zum Verräuchern. Dazu müssen die Blütenblätter abgezupft und getrocknet werden. Der Duft variiert dann je nach Rosenduftsorte. Beim Verräuchern ist dieser jedoch nicht so intensiv wie beim Riechen an einer Rose, sondern eher feiner, zarter und ätherischer.

Was macht den Unterschied, ob wir ätherisches Rosenöl in der Duftlampe verdunsten oder die Blütenblätter der Rose verräuchern? Was für eine Atmosphäre schafft eine Rosenräucherung?

Gabriela Stark: Also so ein teures ätherisches Öl, wie das der Rose, mag ich gar nicht in die Duftlampe geben. Viel schöner ist hier ein Körperöl (1 Tropfen Rosenöl in 100 ml Basisöl, wie Mandelöl gegeben), das ist etwas sehr feines und luxuriöses für Körper und Seele. Bestimmt meint jetzt der eine oder andere Leser 1 Tropfen Rosenöl auf 100 ml ist wenig, das stimmt so aber nicht. Denn dieser 1 Tropfen in die Flasche gegeben, ist erst mal kaum wahrnehmbar von seiner Duftintensität, entwickelt allerdings nach einer Reifezeit von 2 – 3 Wochen ein unglaublich feines und intensives Rosenaroma.

Einkaufstipp für Rosenöl
Und noch ein kleiner Tipp zu den ätherischen Rosenölen, denn viele Menschen wissen dies einfach nicht: echtes Rosenöl wird nicht in durchsichtigen Fläschchen oder Kunststoff angeboten, sondern in dunklem Glas. Ätherische Öle sind überaus lichtempfindlich  und können in durchsichtigen Fläschchen schnell verderben. Der botanische Name der Rosensorte und der Name des Herkunftslandes müssen aufgedruckt sein, ebenso die Herstellungsmethode. Rosenöle werden durch zwei Verfahren gewonnen: Bei der Wasserdampf-Destillation erhält man das Rosenöl, bei der Hexan-Extraktion das Rosen Absolue. Bei der Extraktion wird immer das chemische Lösungsmittel Hexan verwendet. Einige Anbieter umgehen jedoch die Deklaration des Lösungsmittel und schreiben einfach Alkohol-Extraktion auf das Etikett, da mit dem Alkohol im Herstellungsprozess das Hexan abgedampft wird. Nur mit Alkohol lässt sich aus Rosenöl kein Duft gewinnen, übrigens auch nicht aus Jasminblüten. Eine solche Deklaration hat zwei Gründe: Dem Verbraucher wird verschwiegen, dass ein chemisches Lösungsmittel verwendet wurde, und der Hersteller spart sich die Analyse eventueller Hexanrückstände.

Aber zurück zu Ihrer Frage: Rosenöl in der Duftlampe erzeugt eine sehr gelöste, entspannende und sinnliche Atmosphäre. Dies bekommen Sie auch mit einer Rosenräucherung. Wobei der Unterschied ganz klar ist: eine Duftlampe oder auch ein Räucherstäbchen wird entzündet und dann können Sie sich zurücklehnen und lesen oder sonst was tun. Bei einer Rosenräucherung geht das nicht. Räuchern ist ein sehr aktiver Vorgang, bei dem Sie einfach präsent sein müssen. Einfach so mal räuchern, vielleicht noch auf die Schnelle, das geht nicht. Es erfordert Zeit und Muße.

Geben Sie einer bestimmten Rosensorte für die Räucherung den Vorzug?

Getrocknete, naturbelassene, duftende Rosenblütenblätter.
Gabriela Stark:
Nein, eigentlich nicht. Wichtig ist nur, dass Sie eine duftende Rosensorte haben, die Ihnen gut gefällt. Denn auch hier sind die olfaktorischen Unterschiede groß. Wer selbst keine duftenden Rosensorten hat und für seine Rosenräucherung getrocknete Rosenblüten im Handel sucht, sollte vorher nachfragen, ob diese überhaupt duften oder gar künstlich beduftet sind. Denn solche künstlich beduftenden Rosenblätter möchten Sie nicht wirklich verräuchern, da Sie überhaupt nicht wissen, welche Chemikalien hier mit verbrannt werden und welche Stoffe dann im Rauch entstehen.

Welche Zutaten braucht denn ein Räucher-Neuling für eine Rosenräucherung?

Räucherschale und getrocknete RosenblütenblätterGabriela Stark: Getrocknete Rosenblütenblätter, einen Keramik- oder Porzellanteller (findet sich eigentlich in jedem Haushalt), eine Pinzette, eine Feder oder Postkarte und Räucherkohle. Es ist nur aufzupassen, dass die Keramik hart gebrannt ist, denn wenn nicht, kann durch die Temperatur der Kohle die Glasur abplatzen. Verhindern kann man dies, wenn Sie etwas Sand auf die Keramik geben und darauf dann die Kohle legen.

Wie bereitet man eine Rosenräucherung richtig vor?

Gabriela Stark: Sie benötigen als erstes Zeit und Muße, dann legen Sie sich alle Zutaten zurecht und entzünden erst mal eine Kerze. Kerzenlicht bringt schon mal eine schöne harmonische Stimmung. Die Rosenblütenblätter müssen zerkleinert werden, indem man sie zwischen den Handflächen zerreibt. Mit der Pinzette nehmen Sie die Kohletablette und halten diese in die Kerze kurz hinein und wieder heraus. Damit entzünden Sie die Kohletablette. Sie sehen, dass ein feiner glühender Faden quer über die Kohle zieht. Die Kohle wird jetzt auf den Keramik- oder Porzellanteller gelegt und mit der Feder oder Postkarte fächelt man über die Kohle hinweg. Durch den Luftzug entzündet sich die Kohle weiter und glüht durch. Manchmal ist es auch etwas hilfreich während dessen das Fenster zu öffnen, denn der Salpetergeruch, den die Kohle erst mal abdampft (der Salpeter ist für die Selbstzündung der Kohle verantwortlich) ist nicht so schön. Es ist ein Vorgang, der bereits einige Zeit in Anspruch nimmt, denn die Kohle hat erst die richtige Temperatur, wenn der komplette Rand der Kohle grau ist. Erst jetzt nimmt man eine kleine Menge der zerkleinerten Rosenblütenblätter und legt diese in die Mitte der Kohle. Rosenblütenblätter verglimmen sehr rasch. Mit der Pinzette kann man die verkohlten Überreste zur Seite schieben und anschließend neue auflegen.

Es gibt auch Duftlampen, die neben einer Glasschale zum Verdampfen von ätherischen Ölen ein Drahtsieb haben, auf das man das Räucherwerk legen kann. Diese Methode klingt praktisch. Ist sie dem Räuchern mit Räucherkohle gleichwertig?

Gabriela Stark: Ja. Wichtig ist nur, dass das Drahtsieb engmaschig ist. Denn wenn die verkohlten Überreste in die Kerze darunter fallen, ist das weder optisch noch geruchlich schön. Verhindern lässt sich dies, indem man etwas Alufolie über das Drahtsieb legt. Wichtig ist dies vor allem bei Harzen, denn diese werden durch die Hitze flüssig, verkleben das Sieb und können beim in die Kerze tropfen eine Stichflamme verursachen.

Muss es immer gleich ein Ritual sein oder kann man auch einfach mal nebenbei eine Rosenräucherung machen?  Gibt es „nur für den Wohlgeruch“ Räucherstäbchen, Räucherkegel mit Rose?

Gabriela Stark: Der ganze Vorgang des Verräucherns gleicht bereits einem Ritual. Es folgt einem ganz bestimmten Vorgangsschema und natürlich darf ich dem Rauch meine Gedanken anvertrauen oder einfach nur nebenbei den Rauchschwaden nachhängen. Es muss allerdings nicht eine bestimmte Absicht verfolgt werden, was wir mit einem Ritual verbinden.

Nur für den Wohlgeruch gibt es ganz viele Produkte, wie Räucherstäbchen und -kegel. Das Problem ist hier allein der Rosenduft. Denn die allermeisten Produkte, die hier angeboten werden, sind synthetisch beduftet. Und da liegt die komplette Problematik: Sie wissen nicht, mit welchen Chemikalien diese beduftet wurden. Gerade bei den beliebten „indischen“ Produkten wird noch mit synthetischen Stoffen beduftet, die bei uns in Europa schon lange nicht mehr zugelassen sind. Sie müssen sich vorstellen, welche Masse an Rosenblüten Sie benötigen, um einen Duft herzustellen. Erkennen können Sie den Unterschied an der Deklaration der Verpackung. Gute Hersteller schreiben die einzelnen Pflanzen samt botanischer Bezeichnung auf die Verpackung, ebenso, dass sie auf synthetische Duftstoffe verzichten. Der Profi kauft Düfte immer nach der botanischen Bezeichnung, allein um Pflanzenverfälschungen zu umgehen.

Gibt es spezielle Situationen, für die Sie eine Rosenräucherung besonders empfehlen?

Gabriela Stark: Eine Rosenräucherung ist besonders geeignet um eine harmonische und sinnliche Atmosphäre zu schaffen. Sie eignet sich zur Einstimmung für einen besonderen Abend zu zweit, um damit unser Liebesleben zu bereichern, ebenso auch einfach zum Relaxen und Entspannen. Der feine Rosenduft harmonisert und bringt uns die Balance wieder.

Zum Schluss noch ein Wort zum Rosenweihrauch. Sie bieten ihn pulverisiert an. Was ist der Vorteil, ihn pulverisiert zu verwenden?

Gabriela Stark: Der handelsübliche Rosenweihrauch in Klümpchen ist rein synthetisch beduftet und von griechischen Mönchen (wie oft behauptet) wird er auch nicht hergestellt. Es gibt unterschiedliche Anbieter, die auch kein Geheimnis daraus machen, dass diese Räuchermischung synthetisch beduftet und industriell hergestellt wird, was beim Kunden dann suggeriert wird, ist leider wieder etwas anderes. Ein solches Produkt habe ich nicht in meinem Sortiment, einfach, weil ich selbst so etwas nie räuchern würde. Da allerdings immer wieder Nachfragen kamen, ob ich nicht auch Rosenweihrauch hätte, habe ich diesen dann selbst hergestellt.

Rosenweihrauch (pulverisiert) von Satureja

Rosenweihrauch (pulverisiert) von Satureja

Und siehe da, speziell für die Mischung des Rosenweihrauches, so ganz ohne synthetische Beduftung, gab es einige Probleme zu lösen. Denn Rosenweihrauch sollte eigentlich aus nichts anderem bestehen als Weihrauch, Rosenblütenblätter und dem entsprechenden ätherischen Öl – meiner Meinung nach. Also einfach Weihrauchstückchen zerkleinern, zerriebene Rosenblütenblätter darüber streuen und etwas ätherisches Öl drauf träufeln, funktionierte nicht. Das Dufterlebnis war nicht rund, sondern entweder intensiv nach Rosen, weil gerade etwas zu viel ätherisches Öl erwischt oder zu weihrauchlastig, weil zu wenig Rosenblütenblätter und -öl auf der Kohle lagen. Aus diesem Grund ist der industriell gefertigte Rosenweihrauch mit gemahlenem Magnesiumpulver als Trägerstoff für den synthetischen Rosenduft bestäubt! Denn dieser verteilt den Rosenduft über die komplette Mischung.

Also fing ich an, das Ganze immer weiter zu zerkleinern und das schönste Dufterlebnis habe ich mit zu Pulver gemahlenem Weihrauch und Rosenblütenblättern erhalten. Ich pulverisiere die Rosenblüten gerne. Das ergibt einfach einen harmonischeren und intensiveren Duft als nur die zerkleinerten Rosenblütenblätter zu verwenden. Es ist zwar aufwändiger herzustellen, das Dufterlebnis allerdings lohnt sich. Diese beiden pulverisierten Räucherpflanzen werden dann mit ätherischem Rosenöl getränkt. Darf man schon sagen, denn so ein Rosenweihrauch braucht jede Menge ätherisches Rosenöl. Es muss hinterher erst mal trocknen und danach muss es ordentlich verteilt werden. Durch eine Reifezeit von einigen Wochen erhält der Duftweihrauch Rose seinen intensiven und schönen olfaktorischen Gesamteindruck.

Frau Stark, herzlichen Dank, dass Sie sich Zeit für meine Fragen genommen haben!

Das Interview wurde am 26. März 2013 geführt.


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