Gesunde Rosen ohne Chemie – Interview mit dem „Rosenkönig vom Taubertal“ Reinhold Schneider

Reinhold Schneider ist Bio-Rosenbauer und bewirtschaftet ca. 40 km südlich von Würzburg in Creglingen den Rosenhof Taubertal nach biologisch-dynamischen Regeln. Für Rosenliebhaber bietet er auch Exkursionen in seinem Rosenfeld sowie zweimal im Jahr ein Rosenseminar an. Daneben kann man in seinen Vorträgen von seinem Wissen profitieren. Er liebt besonders die alten, historischen Rosen, die nicht nur mit ihrem Duft und der Harmonie ihrer Farben begeistern, sondern zudem auch widerstandsfähiger gegenüber Pilzerkrankungen sind.

Herr Schneider, seit 1986 bewirtschaften Sie Ihren Kräuter- und Obsthof nach den Richtlinien des Demeter-Verbandes. 1996 kam der Rosenanbau dazu und man nennt Sie inzwischen auch den Rosenkönig vom Taubertal. Wie entstand Ihre Liebe zu den Rosen und die Idee, den Rosenanbau in Ihren Demeter-Betrieb zu integrieren?

Reinhold Schneider: Die Liebe zu den Rosen entstand aus der Duftbegeisterung, welche ich vorher schon bei meinen vielen Heil- und Duftkräutern und den 100 verschiedenen Apfelsorten ausleben konnte. Also pflanzte ich mir alte, historische Rosen „quasi erst mal aus Jux und Tollerei“.

Reinhold Schneider bei der Rosenernte

Reinhold Schneider bei der Rosenernte im Taubertal
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Welche Rosensorten bauen Sie im Taubertal an und für welche Zwecke werden die unterschiedlichen Sorten verwendet?

Reinhold Schneider: Ich kultiviere eine laubduftende Wildrose, die Rosa rubiginosa, welche einen schönen, klaren Wein- bzw. Apfelduft aufweist und wegen ihrer antibakteriellen und Radikalenfänger-Wirkung von der Firma Weleda für ein Wildrosen-Deo und ein Gesichtswasser verarbeitet wird. Daneben kultiviere ich alte, historische Duftrosen für meine Rosenköstlichkeiten: die Rosa alba, Rosa gallica, Rosa centifolia und die Rosa damascena.

Ob für köstliche Rezepte, Kosmetik oder Heilanwendungen, die Rosenblütenblätter müssen gesund und frei von chemischen Mitteln sein. Rosen sind aber leider häufig sehr anfällig und viele Hobbyrosengärtner schaffen es nicht, ohne Chemie gesunde Rosen zu haben und können dann leider keine Rosenblütenblätter aus eigener Ernte nutzen. Wer könnte besser Rat geben, wie man gesunde Rosen ohne Chemie bekommen kann, als Sie! Sicher sind nicht alle Methoden, die Sie in Ihrem biologisch-dynamischen Betrieb praktizieren für den Hobbykleingärtner umsetzbar. Ich denke da an die Balkongärtner, die z.B. kein Hornissenvolk halten können oder sich mit dem Ansetzen einer Brennesseljauche bei den Nachbarn nicht gerade beliebt machen würden. Bestimmt haben Sie aber auch für diese Rosenliebhaber einen Tipp.

Reinhold Schneider: Die Alternative zum Hornissenvolk, das wirklich nicht gefährlich ist, könnte der Blumentopf  sein (mit Holzwolle gefüllt und mit Hasendraht verschlossen), in dem die „Ohrenzwicker“ gerne den Tag verbringen, um dann nachts auf die Läusejagd zu gehen. Oder ein Vogelkasten für Meisen und Spatzen, die den Raupen nachstellen.

Wenn jemand neu pflanzen möchte, haben Sie da grundsätzlich Empfehlungen für widerstandsfähige Sorten, die auch duften und gut schmecken?

Rose "Errötende Taubertälerin"

Reinhold Schneider taufte diese alte Rose
„Errötende Taubertälerin“
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Reinhold Schneider: Viele der neuen Rosensorten sind sehr pilz-resistent. (siehe ADR-Rosen) Die meisten sind aber farblich etwas grell und haben gar keinen Duft oder keinen besonders rosen-typischen Duft wie z.B. nach Myrrhe. Wenn Sie also wohlriechende und halbwegs gesunde Rosen wollen, rate ich Ihnen zu echten alten Rosen, also älter als 200 Jahre. Vielleicht auch zu einmalblühenden, denn diese sind meist vitaler als die öfterblühenden Sorten. Und grundsätzlich immer nachfragen wie gesund die Sorte ist und wenn möglich Pflanzen aus biologischem Anbau kaufen.

Hilft fertige Rosenerde wirklich, damit z.B. Rosen im Kübel auf der Terrasse kräftiger wachsen und gesünder bleiben?

Reinhold Schneider: Eine gute Rosenerde darf nicht, wie z.B. eine einfache Geranienerde, nur aus Torf bestehen, sondern muss ca. 20 % lehmige Erde sowie strukturbildende Stoffe wie 10 % Perlite oder Holzfasern enthalten sowie ca. 20 % Kompost. Wenn dies nicht auf dem Sack steht, ist es keine gute Rosenerde. Wenn also eine solche gute Erde nicht zu bekommen ist, gilt es, eine Handelserde (möglichst eine Palmen- oder Staudenerde) mit diesen Zutaten aufzumischen und aufzuwerten. Wichtig ist noch zum Schutz vor Staunässe, eine Drainage unten im Topf einzubringen, denn die meisten Pflanzen ertrinken. Mit Kieselsteinen, Streusplit oder ähnlichem eine ca. 3-5 cm hohe Schicht einbringen, ein Stück Vliesstoff darüber und dann darauf erst die Erde zum Einpflanzen. Das verhindert effektiv das Verfaulen der Rosenwurzeln.

Oft bekommt man die Empfehlung, die Erde regelmäßig mit einer Rosengabel zu belüften. Was halten Sie davon?

Reinhold Schneider: Gar nichts. Oberflächliches harken und lockern reicht. In der Tiefe wird der Boden durch gute Fütterung der Regenwürmer mit Kompost und durch Mulchen z.B. mit Rasenschnitt verbessert und bekommt eine Krümelstruktur.

Mit welchen biologischen Mitteln kann man seine Rosen vorbeugend stärken, damit sie möglichst gar nicht erst krank werden?

Reinhold Schneider: Kein Kunstdünger! Das heisst auch keinen Rosendünger, der nicht als Bio-Dünger nach der EU-Verordnung zugelassen ist. Alle anderen enthalten leichtlöslichen Mineraldünger, welcher die Rosen schwächt und für Pilzbefall empfindlich macht. Wenn sich aber eine Rose im letzten Jahr trotz biologischer Düngung mit Kompost + Hornmehl + Urgesteinsmehl als pilzanfällig erwiesen hat, wegen der Witterung oder weil sie eine empfindliche Sorte ist, so ist im Mai und Juni der regelmäßige Einsatz (alle 8 bis 14 Tage) eines Pflanzenstärkungsmittels wie z.B. Neudo®-Vital fest einzuplanen. Wer das nicht tun möchte, weil die Rose vielleicht ein Fehl- und Spontankauf aus dem Baumarkt ist, sollte diese empfindliche Rose im Bio-Müll entsorgen und sich nach guter Beratung eine gesunde Sorte kaufen.

Sternrußtau, Mehltau und Rosenrost ….  Wenn es doch zum Befall gekommen ist, wie kann man ohne Chemie wieder zu gesunden Rosen kommen?

Reinhold Schneider: Die Chemie, so giftig sie ist, hilft sowieso auch nicht mehr, wenn der Befall schon da ist. Fachlich ausgedrückt: die Fungizide haben keine kurative Wirkung. Das einfach mal zur Klarstellung für den Nicht-Chemiker. Wenn also der Pilzbefall eindeutig schon da ist, am besten die befallenen Triebe zurückschneiden, die Rose gut wässern und die neuen Triebe mehrmals (alle 8 bis 14 Tage) mit einem Pflanzenstärkungsmittel wie z.B. Neudo®-Vital behandeln und so die neuen Rosentriebe vor Befall schützen.

Dann gibt es ja noch die sog. Schädlinge wie Spinnmilben und Blattläuse. Was kann man auch im Kleingarten oder auf der Terrasse tun, um vorzubeugen bzw. wenn die Rosen befallen sind?

Reinhold Schneider: Hier gilt auch wieder der „Ohrenzwicker-Topf“ oder Meisen-Kasten als Maßnahme. Wenn es Spinnmilben gibt, ist es der Rose zu heiss und zu trocken. An eine Südwand gehört ein resistenter Weinstock, dieser liebt die Hitze.

Alle, die keine Rosen im Garten oder auf dem Balkon haben oder die es nun trotzdem nicht schaffen, ihre Rosen chemiefrei so gesund zu halten, dass sie sie in der Küche oder zu Heilzwecken verwenden können, können bei Ihnen 1 kg frisch geerntete Rosenblütenblätter kaufen. Kann man einen Teil davon auch zur späteren Verarbeitung im Kühlschrank frisch halten oder einfrieren?

Rosenköstlichkeiten vom Rosenhof Taubertal

Rosenköstlichkeiten vom Rosenhof Taubertal
Bildnachweis

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Reinhold Schneider: Die frischen Blüten müssen schnellsten verarbeitet werden. Einfrieren gibt nur braune Matsche beim Auftauen. Also, wer das Kilo Rosenblüten nicht frisch und direkt verarbeiten kann, sollte dann lieber mein frisch verarbeitetes Rosenblütenmus kaufen, dann hat er mehr für sein Geld.

 

Verraten Sie uns zum Schluss, ob Sie denn auch eine persönliche Lieblingsrose haben?

Reinhold Schneider: Es sind mehrere: Die Rosa alba Maxima, die Rosa centifolia „Errötende Taubertälerin“, die Rosa gallica (Apothekerrose), die Rosa damascena (Ölrose) und von der öfterblühenden Sorte die Rose de Resht.

Herr Schneider, herzlichen Dank, dass Sie sich Zeit für meine Fragen genommen haben!

Das Interview wurde am 19. Mai 2013 geführt.


Informationen über die jeweils aktuellen Termine für die Rosen-Seminare gibt es beim Rosenhof-Taubertal.

Das Rosenmus und andere Köstlichkeiten bekommen Sie direkt bei Reinhold Schneider. www.rosenhof-taubertal.de

Exkurs: Creglingen

Der Rosenhof von Reinhold Schneider liegt in Creglingen, zwischen Bad Mergentheim und Rothenburg ob der Tauber. Dieses idyllische Städtchen mit rund 5000 Einwohnern verdient noch eine besondere Erwähnung, denn jedes Jahr zur Rosenblüte – in der Regel immer am 3. Wochenende im Juni (das genaue Datum entnehmen Sie bitte dem aktuellen Veranstaltungskalender) findet das Rosenblüten- und Lichterfest mit Künstlern und einem exquisitem Garten- und Rosenmarkt im Romschlösslegarten und dem angrenzendem Gelände statt. Verkaufsstände mit verlockenden Artikeln, Leckeres aus der Rosenküche, Vorträge zur Rosenpflege und ein Beratungsstand, an dem Sie Fragen zu Ihren Rosenproblemen stellen können runden das Programm ab. Die amtierende Rosenkönigin eröffnet an der Seite des Bürgermeisters das Fest. Im Rosengarten des Romschlössles, dem Kulturzentrum Creglingens, kann man zudem viele alte Duftrosen bewundern. Wer tieferes Interesse hat, kann sich für eine Führung anmelden und dabei vieles über Rosen erfahren. Nach Einbruch der Dunkelheit erlebt man den 3-terassigen Garten, den Innenhof des Romschlössles, die Stadtmauer und die Romgasse in 1000 Lichter getaucht. Der Romschlösslegarten befindet sich im Zentrum von Creglingen. Der Sonntag des Rosenfest-Wochenendes ist für die umliegenden Geschäfte verkaufsoffen. Wer die Zeit hat, sollte auch einen historischen Stadtrundgang einplanen.

Jakobspilger kennen Creglingen vielleicht durch den Jakobsweg Main-Taubertal, einem Ast des deutschen Jakobswegswegenetzes. Dieses Wegenetz stellt eine Verbindung im Sinne von Zubringerwegen dar, die von Jakobspilgern genutzt werden. Der 183 km lange 9-Etappen-Weg schließt in Rothenburg ob der Tauber an den Fränkisch-Schwäbischen Jakobsweg an.

Ein Besuch bei Reinhold Schneiders Rosenhof und der Kleinstadt Creglingen ist auf jeden Fall ein empfehlenswerter Freizeit-Tipp!